Kühlschrank-Minimalismus

Verpackungen und Müll zu vermeiden führt zu einem fundamental veränderten Einkaufsverhalten. Wie schon beschrieben, ist das vorherrschende Mantra im Supermarkt ’nööö — nööö — nööö…‘, weil so viele Produkte zum Kauf ausscheiden. Was bleibt sind frische Produkte zum Selbermachen. (À propos: Mayonaise habe ich versucht selbst zu machen — die Kinder haben sie fast ausgespuckt. Die gibt’s jetzt neu wieder im Glas).

Auch ohne es bewusst zu verfolgen, betreibt man einen gewissen Einkaufs- und Konsumminimalismus, wenn man auf diese Weise auswählt, was man mit nach Hause bringt. Allerdings ist es mit dem Minimalismus ja auch nicht ganz so simpel (haha!).

Die Sache mit dem Minimalismus scheint sich für den Großteil der Bevölkerung zu erübrigen, sobald man in einer Lebensgemeinschaft oder gar ganzen Familie zusammenwohnt. In diversen Blogs kann man über minimalistisches Leben lesen, von Leuten, die kein Bett haben (überflüssig, die Matratze auf dem Boden tut’s doch auch) und /oder alle ihre Besitztümer in 2 Koffer stopfen könnten. Man bekommt den Eindruck, dass es so etwas wie einen ungeschriebenen Minimalismus-Ethos gibt, der die Anhänger dazu anhält, von allem möglichst nichts oder wenig zu haben.

Für die Normalos unter uns empfehle ich eine rationale Minimalismus-Definition von Joshua Becker, der eindrucksvoll gezeigt hat, wie einfach Familien ihr (Zusammen-)Leben entrümpeln und ihr Habe minimalisieren können. Joshua meint, „Minimalism is the pursuit of things you value most in your life and the removal of everything that distracts us from them„.

Was mich endlich zu unserem Kühlschrank bringt. Auf den bezogen sollten wir Lebensmittel, die wir gerne und viel essen und mit denen wir gerne kochen darin kühlen; reduziert auf das Wesentliche.

fridge door

Das bedeutet natürlich auch, dass wir schon dementsprechend einkaufen. Auf den Fotos sieht man unseren Kühlschrank gefüllt nach einem Wocheneinkauf: Gemüse, 2 Sorten Käse, Eier, Joghurt, Sahne, Saure Sahne, Quark, Reste, Soßen, Tomatenmark & Co sowie Milch.

Sehr übersichtlich, wie Loriot sagen würde, was uns sehr entgegen kommt: Ein schneller Blick zeigt, was da ist und was fehlt. Die einzelnen Produkte sind sichtbarer und werden damit gefühlt wichtiger. Seit wir Einkaufsminimalismus pflegen, wird im Kühlschrank praktisch nichts mehr vergessen oder weggeschmissen. Zum Einen, weil jedes Einzelne gesehen wird, zum Anderen, weil wir kaum noch Produkte ’nur mal so‘ ausprobieren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass fast keins dieser Experiment-Produkte es auf unseren ständigen Speiseplan geschafft hat.

fridge

Wir sind mit diesem Zustand sehr zufrieden, auch wenn es am Anfang besonders beim Einkauf etwas gewöhnungsbedürftig war, mit so wenig nach Hause zu kommen. Es entstand aber zu keiner Zeit ein Gefühl von Leere oder Unterversorgung. Stattdessen wissen wir, dass wir unser Geld nicht in Lebensmittel und damit auch in Ressourcen stecken, nur um sie am Ende irgendwie zu entsorgen. Kaufen weniger, dafür besser: Eier und Gemüse möglichst direkt vom Erzeuger, Milch und Frisches aus der Region. Kein Geld an Konzerne, die die Welt immer schlimmer machen und uns Konsumenten gleichzeitig das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit oder wahlweise Coolness und Superheldenstatus vermitteln wollen.

Irgendwer muss ja die Welt retten. 😉

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2 Gedanken zu “Kühlschrank-Minimalismus

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