Wenig ist das neue Öko

Um es vorwegzunehmen: Das stimmt natürlich nicht. Wenig ist das alte Öko, das schon immer da gewesene. Aber da bei uns Wenig irgendwie verschwunden ist in der Masse an Zuviel, erlebt es eine Rennaissance.

Wer schon einmal in einem Bio-Supermarkt war, hat mit Sicherheit gemerkt, dass vieles hier genauso ist wie in konventionellen Supermärkten: Der gesamte Laden maximal gefüllt, fast jedes Produkt von mindestens zwei, meist drei oder vier Herstellern mit verschiedenen Verpackungen und Preisen. Einfach: Zu viel. Zu viel Auswahl, zu viele überflüssige Produkte (mein Favorit: Backmischung in öko – alle Zutaten aus biologischer Landwirtschaft. Sonst alles gleich wie bei der konventionellen Variante: Übertriebener Preis, übertriebene Verpackung und minimale Arbeitserleichterung. Eier, Quark, Butter, Milch muss man ja noch zusammensuchen und abwiegen/abmessen, da schaffe ich Mehl, Backpulver und Zucker auch noch so gerade.)

Also mal ehrlich, Bio-Supermärkte sind ja geradezu anti-öko! Alles immer in Plastik oder Folie gepackt (Ausnahmen: Mehrweg bei ein paar Milchprodukten,  wenige Papierverpackungen für Mehl, Grieß … und noch ein zwei drei weitere Produkte), hunderte Produkte, die unter wahnsinnigem Energieaufwand hergestellt wurden (eben Fertigprodukte / processed food), um dann unter weiterem Energieaufwand verpackt zu werden. Tofu-Frikadellen in Blisterverpackung. Hargs.

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Es kann nicht öko sein, immer viel zu kaufen und zu verbrauchen. Dinge, die Verpackungen brauchen, die ökologische Herstellungskosten aufweisen, bei denen es vernachlässigbar erscheint, ob Bio-Zutaten verwendet wurden oder nicht. Dinge, die man „mal ausprobieren will“, um 3/4 davon angeschimmelt wegzuschmeißen. Wir haben uns an eine immense Palette an Wahlmöglichkeiten beim Einkauf  gewöhnt und damit auch daran, dass mehr doch irgendwie besser ist.

Mehr ist aber nicht besser. Besser ist besser. Und von besser braucht man meist weniger.

Mehr ist im Gegenteil viel schlechter: Sehr nachteilig für unseren Lebensraum. Nachteilig aber auch für uns persönlich, weil der Mensch nunmal ein Optimierungstier ist: Gibt es viel Auswahl, gibt es immer viel, das man nicht bekommt, wenn man sich für eine Sache entscheidet. Wenn ich im Restaurant zwischen Pizza, Pasta und Gnocchi wählen muss, tue ich mich zum einen damit wahnsinnig schwer, zum anderen denke ich fast immer irgendwann ‚ach hätte ich doch die ____ genommen!‘. Und das, obwohl es schmeckt!

Viel Auswahl macht uns unzufrieden, weil die Wahrscheinlichkeit das Richtige zu wählen immer kleiner wird, je mehr Möglichkeiten man hat. Unsere Lösungen:
1.) Egal welche Entscheidung man getroffen hat, es war die Richtige (besonders interessant zu beobachten bei Autos).
2.) Mehr! Man muss sich ja nicht immer entscheiden, man kann auch einfach so viel kaufen, wie man möchte!

Das Problem ist aber, dass dieses Mehr ebenfalls unzufrieden macht. Wir besitzen viel und „brauchen“ noch. Gleichzeitig häufen wir Krams an, den wir „irgendwann mal“ unbedingt aussortieren/verkaufen/verschenken/wegschmeißen müssen. Bevor wir soweit sind, brauchen wir aber erst einmal größeren Wohnraum „um all die Sachen unterzubringen“.

Quintessenz: Mit MEHR sorgen wir für unsere eigene Unzufriedenheit, finanzielle Engpässe und für viele Probleme, die uns direkt und indirekt betreffen.

Wir sind ja aus tiefstem Herzen davon überzeugt unsere eigenen Entscheidungen zu treffen und alles in der Hand zu haben. Also könnten wir uns einfach für ein DAGEGEN und ein Wenig entscheiden. Wie einfach das tatsächlich ist, merkt man erst, wenn man es einmal versucht …

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3 Gedanken zu “Wenig ist das neue Öko

  1. Da hast du ja sehr recht. Mit allem. Und Biosupermärkte sind irgendwie nicht schön. Das Obst und Gemüse ist ja auch immer das Gegenteil von frisch.
    Ich lob mir ja meine Biokiste. Da fährt einer die Sachen rum, anstatt das alle in den Laden gurken, es ist in einer Pfandkiste und die Auswahl ist so gering, wie du es dir nur wünschen kannst 🙂

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