Die Sache mit dem Kaffee

Meine Mission gestern: Kaffee plastikfrei kaufen.

Optimistisch wie ich bin, schnappte ich mir einen Baumwollbeutel zum Zuziehen und marschierte zur Tchibofiliale. (Ich will hier keine Werbung machen – im Gegenteil! Dazu gleich mehr…) Denn schließlich gibt es dort ja die Bohnen in den großen Säulen (danke Schwester für die Idee!). Die werden dann per Schaufel in die Tüten gefüllt. Warum dann nicht in meine?

Ich bestellte also freundlich 1 kg unseres Lieblingskaffees und ob sie mir die Bohnen bitte direkt hier einfüllen könnte?

Könne sie nicht, sagte sie. ABER, sagte sie ganz großzügig, sie würde mir einfach ein Kilopack des Kaffees so verkaufen. In einem Beutel, alle Bohnen zusammen. Dass ich gerne den Beutel sparen wolle und die Bohnen gerne in meinen eingefüllt haben wollte, sagte ich. Und ob sie die Bohnen nicht in ein Gefäß füllen könne und ich sie mir dann in meinen Beutel füllen könne. Ich wollte nämlich die Verpackung sparen. ABER WARUM DENN? IN DIESEM BEUTEL BLEIBEN SIE DOCH VIEL LÄNGER FRISCH!

Das stimmt natürlich. Die halbe Stunde, die es braucht vom Tchibo nach Hause zu kommen, wären die Bohnen optimal vor widrigen Umwelteinflüssen geschützt. Dieser Schutz erledigt sich aber dann, sobald ich die Tüte aufreiße, um die Bohnen in mein schickes verschließbares Vorratsglas zu tun. Dies alles sagte ich ihr nicht.

Nee, sagte ich. UND AUSSERDEM IST DIESER BEUTEL DOCH SOWIESO 100% BIOLOGISCH ABBAUBAR!

Nee, sagte ich. Danke und tschüß.

Ich weiß heute noch immer nicht so genau, was ich über diese Aussage denken soll. Also 100% falsch, das weiß ich wohl. Aber es ist schon interessant, wie sich die gute Dame anscheinend in die Enge getrieben fühlte mit meinem exotischen Wunsch, so dass sie sich sogar zu 100% überprüfbaren Falschaussagen hinreißen lässt.

Also weiter. Es gibt ja noch die Kaffeerösterei, in der ich noch nie war. Ist eh viel besser, kleiner Betrieb, lokal, frisch geröstet, dachte ich. Nicht dieser doofe Konzern voller Schlechtigkeit. Und hier würden sie mich bestimmt verstehen.

Ich war zwar immer noch etwas verärgert über Frau Tchibo, gleichzeitig aber guten Mutes, etwas Neues zu versuchen. Was für eine Enttäuschung ich erleben sollte!

Ich fragte nach einem gaaaanz milden Kaffee und ob sie mir den in diesen meinen Beutel abwiegen könnten? So ein Kilo? Ein verwirrter Blick einer Dame, die sich für den Tag anscheinend nicht vorgenommen hatte, besonders freundlich zu sein. Ääh, sowas machen wir hier nicht. Wir verkaufen unseren Kaffee in diesen Beuteln, sagte sie und zeigte auf niedliche kleine Plastikbeutel, in die die Bohnen eingeschweißt waren.  Oh, die seien aber klein, sagte ich. Damit kämen wir nicht weit; ich suchte eher etwas im Kilobereich.

Nein, das machen wir gar nicht, sagte sie, dann bleiben die Bohnen ja überhaupt nicht frisch! Wenn Sie das wünschen, sagte sie, dann könne sie mir ausnahmsweise einen 500g-Beutel verkaufen. Den müsse sie holen, sagte sie und machte dabei ein Gesicht, als hätte ich ihr gerade erzählt, dass wir unser Toilettenpapier gerne mehrfach verwendeten.

Nee, sagte ich. Danke und tschüß.

Heute habe ich ein Pack Kaffee in der 100% nicht biologisch abbaubaren Folie gekauft. Und eingesehen, dass dieses so wichtige Thema uns noch weiterhin beschäftigen wird.

Noch eine Randnotiz: In der Tchibofiliale im Hannoveraner Bahnhof, da hatte ich mich mal „nur so mal“ erkundigt, ob sie mir die Bohnen aus den Säulen in ein eigenes Gefäß füllen würden. Ja, das könnten sie wohl machen, sagte diese Tchibo-Dame. Die Großstädter sind vielleicht doch etwas pragmatischer… Aber für jeden Kaffeeeinkauf 100 Kilometer zu fahren, das würde dann doch etwas zu viel. Wobei – ich könnte ja direkt vom Zug zum Tchibo und wieder in den Zug …. Nein, doch nicht.

Fazit: Wir sind keine Kaffeegourmets und in den Augen von Kaffeeverkäuferinnen wahrscheinlich verachtenswerte Wesen; wer würde denn wider besseren Wissens die heilige Kuh der Aromaversiegelung und des Frischschutzes aufgeben, nur um Verpackungen zu vermeiden? Da nehmen wir’s nicht so genau mit. So ist das halt mit dem Geschmack: Entweder man hat ihn, oder nicht. (Danke, Arne :))

Und außerdem: Arme Menschen, die jahrhundertelang ihren Kaffee aus Kaffeebohnen ohne Aromaversiegelung herstellen mussten! Die Zeiten waren ja eh schon so hart, und dann auch noch das!

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